Sortenwahl und neue Unterlagen

Die Anpassung an den Klimawandel - eine Sortenfrage?

Das Pflanzen von trockenheits- und hitzeverträglichen Sorten wäre theoretisch eine einfache Lösung. Es gibt zwar eine sehr große Bandbreite von Apfel- und Birnensorten, ob diese aber ausreicht, ist unsicher. Es fehlen langjährige, vergleichbare Ergebnisse und Erfahrungen, um verlässliche Aussagen zu treffen, zumal sich die Klimaänderungen bereits jetzt verschärfen und auf verschiedenen Standorten unterschiedlich auswirken.

Daher werden häufig allgemeine Empfehlungen für Sorten gemacht, die

- stark wachsen und ein großes Wurzelsystem ausbilden können,

- spät blühen, um Schäden durch Spätfröste zu vermeiden,

- spät ausreifen, da frühe Sorten besonders von Sonnenbrand betroffen sind,

- bisher in warmen Lagen gepflanzt wurden,

- mit Grenzertragslagen zurechtkommen und sehr robust sind.

Wenn Sorten genannt werden, handelt es sich häufig um robuste Sorten, die eine große Anbaubreite haben wie ‘Kaiser Wilhelm‘, ‘Boskoop‘ oder ‘Rheinischer Bohnapfel‘. Viele der starkwachsenden Sorten sind triploid und haben einen Chromosomensatz mehr als die diploiden Sorten. Sie scheinen über eine größere Anpassungsfähigkeit zu verfügen. Eine Ausnahme ist die Sorte ‘Jakob Fischer‘. Von ihr wird berichtet, dass häufig Schäden wie Rindenbrand oder Sonnenbrand auftreten. Sie stammt aus Oberschwaben und hat möglicherweise in einem wärmeren Klima stärkere Probleme als andere Sorten. Vermutlich sind auch andere Sorten, die sich bisher in kühlen Gebieten bewährten und dort weniger krankheitsanfällig sind wie ‘Danziger Kant‘ oder ‘Berner Rosenapfel‘ für viele Standorte nicht mehr geeignet. Demgegenüber werden jetzt für die wärmeliebende Sorte ‘Brettacher‘ in ihrer Heimatregion Probleme mit Hitzeschäden gemeldet.

Bei Sorten mit später Blüte muss berücksichtigt werden, dass sie ein erhöhtes Risiko für Feuerbrand haben. Daher sollte auch hinsichtlich der Blütezeit auf Sortenvielfalt gesetzt werden. Generell wird in vielen Konzepten vorgeschlagen, durch eine Vielzahl an Arten und Sorten Verluste durch Schaderreger oder ungünstige Witterung zu begrenzen.

Neue Unterlagen für Hochstämme

Eine große Hoffnung wird in vielen Projekten und Veröffentlichungen in neue Unterlagen gesetzt. Momentan werden Hochstämme fast ausschließlich auf die beiden Unterlagen ‘Bittenfelder Sämling‘ (Apfel) und ‘Kirchensaller Mostbirne‘ veredelt. Generell ist eine größere Vielfalt an Unterlagen wünschenswert - ob der Einfluss auf die Wasserversorgung und Widerstandsfähigkeit jedoch so groß ist wie erhofft, kann erst nach vielen Jahren beantwortet werden. Im Gegensatz zu historischen Apfel- und Birnensorten, die teilweise seit Jahrhunderten genetisch unverändert sind, gibt es bei den Sämlingsunterlagen zumindest eine gewisse Anpassung und Auslese.

Bei der ‘Kirchensaller Mostbirne‘ besteht das Hauptproblem in ihrer hohen Anfälligkeit für Birnenverfall. Es werden bereits verschiedene, starkwachsende, robuste Unterlagen auf ihre Eignung im Streuobstbau getestet.

Als Alternative wird auch der Wildapfel (Holzapfel) als Unterlage vorgeschlagen. Diese selten vorkommende, einheimische Apfelart wird allerdings als Flachwurzler eingestuft. In einer Übersicht zu Apfelunterlagen wird ferner erwähnt, dass der Wildapfel mit den meisten Edelsorten unverträglich ist.

Züchtung

Züchtungsarbeiten konzentrieren sich momentan auf den Erwerbsanbau, bei dem eine Bewässerung möglich ist. Die Vermeidung von Hitzeschäden und eine gute Fruchtqualität stehen dabei im Vordergrund. Doch auch für den Streuobstanbau könnten gezielte Neuzüchtungen interessant sein. Ein Ansatz könnte es sein, trockenheitsverträglichere Sorten zu untersuchen und miteinander zu kreuzen. Zudem könnten genetische Analysen genutzt werden, um robuste Sorten und Sämlinge auf gemeinsame genetische Eigenschaften zu untersuchen.

Bei der Suche nach neuen Unterlagen könnte man mittels Genanalyse starkwachsende, triploide Sämlinge selektieren. Diese könnten dann vegetativ vermehrt werden. Generell wäre eine wissenschaftliche Unterstützung auch bei der Suche nach neuen Sämlingsunterlagen sinnvoll.

Standort

Bei einer Neuanlage von Streuobst ist ein günstiger Standort wichtiger als die Sortenwahl. Leider kann man nicht davon ausgehen, dass zukünftig die kühlen Lagen von der Temperaturerwärmung profitieren und wärmeliebendere Sorten angepflanzt werden können. Extreme Wetterereignissen wie lange Trockenperioden nehmen dort ebenfalls zu und starke Fröste können nach wie vor auftreten.

Erfahrungen zusammentragen

Zur Abschätzung welche Sorten, Unterlagen oder Anbausysteme bestehen können, kann die Erfassung von Daten über die Sortenerfassungs- und Pflege-App „SEPP“, die über den Pomologenverein erhältlich ist, sehr hilfreich sein.