Intensivierung vom Streuobstbau und alternative Anbausysteme

Die Vorschläge für eine zukünftige Bewirtschaftung unterscheiden sich erheblich. Bei manchen Konzepten soll die Wirtschaftlichkeit gestärkt werden durch eine konsequente Pflege und die richtige Sorten- und Standortwahl. Andere Vorschläge propagieren einen naturnahen Anbau und Pflanzengemeinschaften, die sich gegenseitig fördern. Dabei wird der Aufwand für Pflege und Ernte sowie die Vermarktung oft in den Hintergrund gestellt.

Erhöhung der Wirtschaftlichkeit

Bei diesen Konzepten soll wieder an den früheren Streuobstanbau als Einnahmequelle für landwirtschaftliche Betriebe angeknüpft werden. Das Ziel ist ein wirtschaftlich erfolgreicher Anbau, der im besten Fall auch ohne Förderung die Streuobstpflege ermöglicht.

Baumwachstum und Ertrag sollen durch eine konsequente Bewirtschaftung optimiert werden. Ungünstige Lagen mit sandigen oder flachgründigen Böden sowie Gebiete mit geringen Niederschlägen scheiden aus. Eine zumindest mittlere Bodenqualität wird vorausgesetzt. Eine große Vielfalt an Sorten und Arten oder eine gemischte Altersstruktur wird hier nicht angestrebt, da sie einer rationellen Pflege und Ernte entgegenstehen. Die Sortenwahl richtet sich nach Ertrag und Verwertungsmöglichkeit. Bevorzugt werden starkwüchsige Sorten, die große Kronen ausbilden - auch wenn derzeit noch nicht gesagt werden kann, welche Sorten tatsächlich „klimafit“ sind. Das Baumwachstum wird durch Düngung, die Anlage von Baumscheiben und regelmäßige Pflege gefördert.

Im Handlungskonzept für den Streuobstbau in Brandenburg wird der wirtschaftlich ausgerichtete Anbau ebenfalls als eines von vier Konzepten vorgeschlagen. Eine Bewässerung zur Erntesicherung ist bei der Bewirtschaftung enthalten. Weitere Modelle sind der Naturschutz-orientierte Anbau, ein extensiver Obstbau als Dauerkultur und fruchtbasierte Agroforstsysteme.

„Superhochstämme“

Ein ähnliches Produktionssystem, das zurzeit im Rahmen eines EIP-Projektes für den Streuobstbau entwickelt wird, ist das „Hochstamm-Produktions-System“ (HPS) mit der Erziehung von „Superhochstämmen“. Die Bäume sollen je nach Baumart eine Stammhöhe von 2,20 m bis 12,00 m haben und sowohl Früchte als auch Wertholz produzieren. Für Apfelbäume ist eine Stammhöhe von 2,40 m vorgesehen. Eine Nutzungsdauer von mehr als 100 Jahren wird angestrebt. Die Bewirtschaftung soll weitgehend maschinell und mit dem Einsatz neuer Techniken wie KI oder Drohnen erfolgen. Es sollen alte Sorten ausgewählt werden, die gegenüber dem Klimawandel resilient sind. Über innovative Konzepte sollen diese vermarktet werden.

Bisher wurden Anleitungen für die Anzucht von Unterlagen für die Superhochstämme ausgearbeitet. Das Ziel sind Bäume mit einem tiefgehendem Wurzelsystem, das die Versorgung des Baumes mit Wasser gegenüber der herkömmlichen Pflanzware stark verbessern soll. Vor allem ein Wurzelschnitt während der Anzucht soll vermieden werden. Neue, anpassungsfähige Unterlagen sollen über Direktsaat gewonnen werden. Da die Anzucht über Direktsaat auf der Streuobstwiese sehr aufwändig ist, sollen daneben Baumschulen mithilfe von speziellen Verfahren Jungbäume mit ungestörtem Wurzelwachstum heranziehen (s. a. Direktsaat und Pflanzmaterial). Ein weiterer bereits ausgearbeiteter Schwerpunkt ist die Standarisierung von Pflanzungen durch genormte Pläne. Hierzu werden Beispiele vorgestellt und es wird auf viele allgemeine Aspekte hingewiesen.

Alternative Anbausysteme

Der Intensivierung des Streuobstbaus stehen alternative Pflanzsysteme und Konzepte gegenüber, wie sie beispielsweise in einer Potentialstudie vorgestellt werden, die für das Land Baden-Württemberg erarbeitet wurde.

Das Klima im Bestand soll durch Hecken, Bodenbedeckung oder eine hohe Pflanzdichte verbessert werden. Erfahrungen aus dem Forstbereich werden übertragen. Der Humusgehalt im Boden soll erhöht und die Symbiose von Pflanzenwurzeln mit Pilzen (Mykorhizza) soll gefördert werden.

Die Ausprägung dieser neuen Arten von Streuobstwiesen kann unterschiedlich sein. Im einfachsten Fall werden „Schattenbäume“ (z.B. Walnuss, Elsbeere, Linde) gepflanzt, die über die Streuobstbäume hinausragen. Sie werden bis in eine Höhe von 7-8 m aufgeastet und sollen das Mikroklima, den Wasserhaushalt und die Nährstoffversorgung verbessern. Ihr Standort und der Abstand zu den Obstbäumen soll sich nach dem Sonnenverlauf richten.

Bei anderen Pflanzsystemen werden in den Baumreihen zusätzlich Sträucher und Stauden zwischen die Streuobstbäume gesetzt, die bei Bedarf zurückgeschnitten oder herausgenommen werden. Dies ähnelt dem bisher bekannten „Bleiber-Weicher-System“ oder Agroforstsystemen.

Beim Agroforstsystem, das als eine Alternative zum Streuobstbau für das Land Brandenburg vorgeschlagen wird, werden die Obstbäume in Reihen mit einem Abstand von 24 – 100 m gepflanzt. Allerdings werden in diesem Konzept Baumarten mit geringem Pflegeaufwand empfohlen wie Walnuss oder Esskastanie. Zwischen den Baumreihen werden beispielsweise Ackerkulturen angelegt.

Beim Waldgarten wird die typische Streuobstwiese mit weiten Pflanzabständen und besonntem Grünland ersetzt durch ein vielschichtiges System mit verschiedenen Pflanzenarten. Die unterschiedlichen Arten sollen sich gegenseitig fördern und die Obstbäume so widerstandsfähiger gegenüber ungünstigen Bedingungen machen. So soll ein natürliches Ökosystem mit hoher Biodiversität enstehen werden (Stichwort „Syntropische Landwirtschaft“). Natürliche Kreisläufe sollen Düngung und Pflanzenschutz überflüssig machen. Der Rückschnitt von Pflanzen zur Gewinnung von Mulchmaterial spielt eine große Rolle. Dem hohen Aufwand für Pflege und Ernte wird ein sinkendes Risiko von Totalausfällen entgegengestellt.

Anmerkungen zu den alternativen Systemen

Schattenbäume

Hier spielen die Ausrichtung und der Abstand zu den Obstbäumen eine große Rolle. Schattenbäume können beispielsweise Walnuss, Marone oder Speierling sein. Grundsätzlich haben Apfel- und Birnbäume aber einen hohen Lichtbedarf und eine hohe Luftfeuchtigkeit kann Pilzkrankheiten fördern. Hierzu gibt es kaum Erfahrungen.

Humusaufbau

Der Humusgehalt wird im Wesentlichen bedingt durch die Bodenart, den Abstand zum Grundwasser und in geringerem Umfang von der Bewirtschaftung. Er ist im Grünland höher als bei Ackerkulturen, vor allem, weil dort keine Bodenbearbeitung stattfindet. Das Anwachsen von Jungbäumen kann durch die Zugabe von Kompost oder Pflanzenkohle in das Pflanzloch und durch die Abdeckung der Baumscheibe mit organischem Material gefördert werden. Auch das Mulchen von Wiesen kann den Humusgehalt erhöhen. Die Möglichkeit auf diese Art die Wasser- und Nährstoffversorgung zu verbessern ist jedoch sehr begrenzt.

Agroforst

Agroforstsysteme bieten vor allem in ausgeräumten Landschaften viele Vorteile. Beim kleinräumigen Anbau, wie er in Baden-Württemberg häufig ist, kommen diese weniger stark zum Tragen oder sind nur schwer umzusetzen. Als Baumarten werden oft Walnüsse oder Maronen vorgeschlagen, da sich deren Ernte mit der Ernte der Zwischenkulturen kombinieren lässt. Bei Obstbäumen wird meist keine Frucht- sondern eine Holznutzung präferiert. Die Abstände zwischen den Baumreihen sind in der Regel viel größer als auf typischen Streuobstwiesen und der Baumertrag pro Fläche entsprechend geringer. Die Wirtschaftlichkeit muss überwiegend durch die Kultur zwischen den Baumreihen gewährleistet werden.

Das Keyline-System wird oft mit der Agroforstwirtschaft kombiniert. Durch die Pflanzung von Baumreihen, die sich an den topographischen Höhenlinien orientiert, sollen die Niederschläge besser genutzt und die Wasserversorgung optimiert werden. Das gilt besonders für Flächen, die durch Starkregen sehr erosionsgefährdet sind. Es handelt sich um ein aufwändiges System, das eine gute Konzeption voraussetzt.

Waldgarten

Dieses komplexe System bedarf einer sorgfältigen Planung, Überwachung und Anpassung. Der Arbeitsbedarf ist sehr hoch und die Wirtschaftlichkeit unter den jetzigen Bedingungen fraglich. Bisher gibt es nur wenig Erfahrungen für dieses junge Konzept und die Vermarktung steht bei vielen Anlagen im Hintergrund. Es bieten sich die Direktvermarktung, die Bewirtschaftung über eine Solidarischen Landwirtschaft oder die eigenen Nutzung von Früchten und Gemüse an. Die Biodiversität kann durch eine Vielzahl von Pflanzenarten sehr hoch sein.