Die Auswirkungen des Klimawandels beeinträchtigen auch den Streuobstbau. Insbesondere die Wasserversorgung in heißen, trockenen Sommern erweist sich als Problem. Neue Krankheiten und Schädlinge treten auf und durch Trockenheit geschwächte Bäume sind anfälliger für verschiedene Schaderreger wie den Schwarzen Rindenbrand. Auch Misteln werden durch die Trockenheit begünstigt und erhöhen den Aufwand für die Pflege erheblich. Die starke Sonneneinstrahlung kann direkte Schäden wie Sonnenbrand an Früchten oder Rindenschäden verursachen.

Hinzu kommt, dass der Streuobstbau, trotz vieler Initiativen zur Verbesserung der Vermarktung, in weiten Teilen unwirtschaftlich ist. Auch der Grünland-Unterwuchs hat oft keine wirtschaftliche Bedeutung mehr. Neue Konzepte sind gefragt und zahlreiche Initiativen und Projekte beschäftigen sich mit diesen Themen:

Neue Herausforderungen für den Klimawandel

Der bisherige Streuobstanbau mit einer möglichst geringen Pflege und der Vermarktung über Mostereien gerät durch den Klimawandel weiter unter Druck. Das gilt besonders für Standorte in ungünstigen Lagen. Steigende Temperaturen und extreme Wetterereignisse verhindern zudem eine genauere Prognose der zukünftigen Bedingungen.

Das Erproben von verschiedenen Maßnahmen ist wichtig und das große Engagement von vielen Bewirtschaftern ermutigend. Die schwierige Situation führt aber auch zu unkonventionellen Ansätzen, die teilweise kritisch bewertet werden sollten. Dazu gehört beispielsweise das Pflanzen im Sommerhalbjahr. Auch ein idealisiertes Naturbild, in dem man neue Biotope schaffen kann, die ausreichende Erträge liefern sowie Düngung und Pflanzenschutz überflüssig machen, sollte mit Skepsis betrachtet werden. Bei manchen Maßnahmen wie der Aussaat und späteren Veredlung anstelle der Pflanzungen von Jungbäumen ist der Arbeitsaufwand sehr hoch. Das Problem der mangelnden Kostendeckung im Streuobstbau wird hierdurch noch verstärkt. Ob diese neuen Praktiken ein entscheidender Vorteil sind, ist anhand der Wucht des Klimawandels zumindest fraglich.

Bei neuen Arten ist die künftige Marktsituation schwer vorhersehbar. Werden beispielsweise die jetzt gepflanzten Esskastanien und Walnüsse in 10 bis 15 Jahren einen ausreichenden Preis erzielen können?

Insgesamt bleibt eine enorme Unsicherheit, wie sich der Streuobstbau in Zukunft entwickeln kann. Das Ausmaß der Klimaänderung hängt davon ab, ob in den nächsten Jahren ausreichende Maßnahmen gegen einen starken Temperaturanstieg ergriffen werden. Die Bezeichnung „klimafit“ für Unterlagen und Anbausysteme täuscht einfache Lösungen vor.

Dennoch sind Streuobstwiesen gerade im Klimawandel und in Zeiten der abnehmenden Biodiversität äußerst wertvoll. Ihre Leistungen im Ökosystem als artenreicher Lebensraum vom Landschaftsbild bis zu einem Beitrag für ein ausgeglichenes Mikroklima sind vielfältig und von großer Bedeutung. Möglicherweise können in Zukunft die unterschiedlichen Lösungsansätze „intensiverer Streuobstanbau“ und „Umbau der Streuobstbestände“ nebeneinander bestehen. Gemeinsam ist den beiden Vorschlägen, dass sie mit einem deutlich höheren Arbeitsaufwand verbunden sind. Auch sind mehr Kenntnisse nötig, beispielsweise über geeignete Sorten und Arten oder neue Pflanzkonzepte. Bei der Pflege können das Erlebnis in der Natur und das sinnvolle, gemeinschaftliche Arbeiten an Bedeutung gewinnen.