Anzucht von Hochstämmen
Das Anzuchtverfahren von Streuobstbäumen in Baumschulen wird in verschiedenen Veröffentlichungen für eine geringe Durchwurzelungstiefe verantwortlich gemacht. Die Bäume werden in der Baumschule üblicherweise unterschnitten und mehrfach verpflanzt, damit ein kompaktes Wurzelsystem entsteht, das den Pflanzschock reduziert und das Anwachsen verbessert.
Direktsaat
Zur Vermeidung eines Wurzelschnitts sollen die Unterlagen nun direkt am endgültigen Standort ausgesät werden, damit sich die Wurzeln ungestört entwickeln können. Das kann beispielsweise durch die Aussaat von Trester oder von ausgewählten Sorten erfolgen. Die Veredlung geschieht dann auf der Streuobstwiese.
Air Pruning
Als Alternative wird auch das Pflanzen von sehr jungen Bäumen (z.B. 3-4 Monate alt) vorgeschlagen. Sie sollen nicht in den üblichen Containern, sondern in Air-Pruning-Behältern oder Pflanzpatronen angezogen werden. Diese Behältnisse haben seitliche Aussparungen oder eine Netzstruktur. Wenn die Wurzelspitzen an den Rändern mit Luft in Kontakt kommen, sterben sie ab und es entwickeln sich mehr Seitenwurzeln. So sollen Ringwurzeln, die sich vor allem bei langen Standzeiten in geschlossenen Töpfen bilden, vermieden werden und sich ein verzweigtes Wurzelsystem entwickeln.
Anmerkungen zu den Verfahren
Das Pflanzen von jungen Bäumen und besonders die Direktsaat sind mit einem hohen Arbeitsaufwand verbunden. Wie groß die Unterschiede im Vergleich mit qualitativ guter, verschulter Ware und Herbstpflanzung auf Dauer sind, muss sich erst noch zeigen. Zudem ist es fraglich, ob die Annahme zutrifft, dass die Sämlinge deutlich tiefer wurzeln können, wenn sie nicht verpflanzt werden. In einer Literaturauswertung zur Ausbreitung von Pflanzenwurzeln von Obstgehölzen wird beschrieben, dass sich nach der Saat zunächst ein Pfahlwurzelsystem ausbreitet, jedoch in der weiteren Entwicklung die seitliche Ausdehnung gegenüber dem Tiefenwachstum zunehmend überwiegt.