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Généreuse de Vitry (Apfel)

Synonyme
Vitry, Schöner aus Vitry

Reifetyp
Mittel

Verwendungszweck
Most/Saft

Klimaanspruch
gering

Erntemonat
September

Herkunft

Stammbildner aus Frankreich der zu der Gruppe der bittersüßen Cideräpfeln gehört.

Im Jahr 2002 kam aus dem Waiblinger Raum eine Apfelsorte zur Bestimmung, die zwar relativ schnell zu der Gruppe 'Bittersüßer Cidreapfel', (in Frankreich noch heute eine sehr große Sortengruppe zur speziellen Herstellung des bekannten Apfelcidre), gerechnet werden konnte, aber keinen eindeutigen Sortennamen zuließ. Zwar war damals schon der Name 'Vitry' genannt worden, mit diesem Begriff sind aber auch andere Sorten verknüpft. 2003 kommen Früchte dieser Sorte noch aus der Nähe von Pforzheim und aus dem Main-Tauber Kreis, aber jeweils ohne Namen. Auch aus Bönnigheim (Raum Ludwigsburg) wird die Sorte gesendet und nun zum ersten Mal unter dem Namen 'Schöner aus Vitry'. Das Synonym 'Mostapfel aus Frankreich' kommt noch 2007 aus der Herrenberger Gegend hinzu.
Mit solchen Namen müsste man doch jetzt in der Literatur etwas über die Sorte finden. Leider aber ist 'Schöner aus Vitry' eine Pfirsichsorte, und die Apfelsorte 'Noir de Vitry' dürfte wohl auch nicht in Frage kommen, da es sich ja wie im Sortennamen schon ausgedrückt, wohl um eine dunkle Sorte handelt.
Nach weiteren Recherchen findet sich in der Zeitschrift "Der Obstbau'' von 1957 ein Artikel von Prof. F. Hilkenbäumer über umfangreiche Untersuchungen zu Stammbildnern. Dort werden unter anderen auch die Sorten 'Généreuse de Vitry', 'Noir de Vitry' und 'Pomme d' Or' aufgeführt. Und jetzt kommt langsam Licht ins Dunkel, weil die Baumwarte die diese Sorte heute noch kennen, sie in allererster Linie als Stammbildner kannten. Manche sind heute noch der Ansicht, dass man diese Bäume immer umveredelt habe, was jedoch nicht stimmt. Einer der Gründe, warum von diesen französischen Sorten noch einige weit verstreut immer wieder auftauchen ist folgender: Im Jahr 1879/80 war ein sehr strenger Polarwinter (s.a. ''Der Obstbau'' 1891, dort wird dies unter dem Namen 'Mostapfel von Vitry' beschrieben), dem z.B. in Deutschland Hunderttausende von Obstbäumen zum Opfer fielen. Da man danach natürlich wieder schnellstens Bäume nachpflanzen wollte, waren die in großen Mengen in Frankreich vorhandenen 'Cidreapfelsorten' sehr willkommen, zumal ihnen auch eine hohe Frostbeständigkeit nachgesagt wurde. Die Sorte ist in ganz Süddeutschland, Österreich und in der Schweiz anzutreffen, außerdem kommt sie im Fränkischen, Hessischen und auch in Luxemburg vor. Inzwischen bin ich der Ansicht, dass diese Sorte häufiger verbreitet ist, als die gleichfalls bittersüße Apfelsorte 'Pomme d' Or'.
Wie wird nun aber aus 'Généreuse de Vitry', 'Schöner aus Vitry'?
Würde man Généreuse in Lautschrift schreiben wäre das in etwa ''Schönerös'', und so könnte die Abwandlung entstanden sein. Warum aber 'Généreuse…. überhaupt? Nun, die Sorte trägt sehr gut, meistens jährlich und neigt nicht zur Vergreisung, deshalb vielleicht der Ausdruck großmütig / großzügig. Leider konnten trotz einiger Anfragen bei französischen Kollegen dazu keine weiteren Informationen, geschweige denn Vergleichsfrüchte zur weiteren Absicherung der Bestimmung erlangt werden. Die Sorte kann durch ihre speziellen Inhaltsstoffe einen Apfelsaft aufwerten und ihm ein sehr interessantes Aroma verleihen. Allerdings sollte zunächst mit kleineren Anteilen die richtige Mischung ausprobiert werden.
Eckhart Fritz