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Sortenkunde

Obstsortenbestimmung

 

Was

Sorten bestimmen heißt, einer Sorte einen eindeutigen Namen zu geben. Jede einzelne der zahlreichen Obstsorten ist durch das Zusammenspiel ihrer Merkmale und Eigenschaften unverwechselbar. Der Name steht dafür. Er steht u.a. bei „Boskoop“ für die vielseitige Verwertung, bei „Gravensteiner“ für den Duft, bei „Schweizer Wasserbirne“ für die Ausbeute. Verwechslungen mit anderen Sorten werden ausgeschlossen. 

 

Warum

Sorten müssen neu bestimmt werden, wenn der Name vergessen wurde oder ein falscher Name verwendet wird. In einem Projekt wie dem vorgestellten, in dem es um die Suche nach alten Sorten geht, ist das der Normalfall. „Der Opa hätte es noch gewusst“. Die Menschen, die die Namen der Sorten noch kannten, leben häufig nicht mehr. Die Vielzahl der alten Sorten hat nun seit etwa zwei Generationen keine wirtschaftliche Bedeutung mehr. Mit der Zeit werden die Namen vergessen oder verwechselt. Irrtümer werden übernommen und finden sich wieder in Streuobstwiesen, Reiserschnittgärten, Sortensammlungen und Baumschulen.

 

Wie

Früchte werden überwiegend anhand ihrer äußeren (Größe, Form, Ausfärbung …) und ihrer inneren (Kelchhöhle, Kernhaus, Kerne, Geschmack …) Merkmale bestimmt. Eigenschaften wie Reifezeit und Lagerfähigkeit werden mitberücksichtigt, ebenso Baummerkmale wie z.B. Blütezeitpunkt, Kronenform und Wuchsstärke.

Hier ein Schnittbild vom 'Grahams Jubiläumsapfel' mit der typischen langen Kelchhöhle.

 

Probleme

Schwierigkeiten bei der Bestimmung bereitet die große Zahl der Sorten, die immer noch – wenn auch oft nur noch als alte, einzelne Bäume – auf den Streuobstwiesen zu finden ist. Viele sind einander ähnlich, Verwechslungen leicht möglich. Hinzu kommt die große Veränderlichkeit von Merkmalen innerhalb einer Sorte. Größe, Form und Farbe der Frucht z.B. können sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. „Knollbirne“ oder „Marxenbirne“? – „Jakob Fischer“ oder „Martens Sämling“? – „Französische Goldrenette“ oder „Goldrenette Freiherr von Berlepsch“? Nur ein genaues Studium der Merkmale, Vergleiche mit Beschreibungen in der alten Literatur, der Austausch mit Kollegen und das Vergleichen der noch nicht sicher bestimmten  Früchte mit zweifelsfrei bestimmten Herkünften führt hier zum Ziel. Der Austausch von Sortenkenntnis hat im Rahmen des Projekts einen hohen Stellenwert.

 

Wer

Sortenbestimmungen werden von Pomologen durchgeführt. Das sind Personen mit überdurchschnittlicher Sortenkenntnis, die meist auf langjähriger Erfahrung und methodischer Erarbeitung der Sortenmerkmale beruht. Falls Sie Interesse an einem Pomologiekurs haben, wenden Sie sich bitte an Monika Meyer.