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Miniermotten

Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
Familie: Miniermotten


Miniermotten sind an allen Kern- und Steinobstarten zu finden. Systematisch zählen sie zur Ordnung der Schmetterlinge. Innerhalb der verschiedenen Familien gibt es polyphage und wirtsspezifische Arten. Der Name Miniermotte beruht auf dem Fraßverhalten der Raupen. Diese „minieren“ zwischen Blattober- und unterseite und verursachen dabei arttypische Gänge, die sogenannten Minen. Früchte werden nicht befallen.
Eine Bekämpfung ist selten erforderlich. Häufig reicht die natürliche Regulierung über Nützlingspopulationen, allen voran die parasitär lebenden Schlupfwespen, aus.
An Apfel treten mehrere Arten auf:


1. Die Schlangenminiermotte oder Obstbaummotte
(Lyonitia clerkella)

Die Schlangenminiermotte befällt Apfel, Kirsche, Birne und andere Laubgehölze.
Aufgrund starker Blattschäden kann es in Baumschulen und Junganlagen zu einer verminderten Assimilationsleistung kommen. In Ertragsanlagen ist eine Bekämpfung selten notwendig. Ihr Aufkommen wird hier meist durch natürliche Gegenspieler, Krankheiten und andere Faktoren ausreichend reguliert.
Die Art neigt zu periodischen Massenvermehrungen. Nach Jahren mit unbedeutendem Aufkommen können extreme Befallsjahre folgen.

Schädlingsbeschreibung
Die Falter sind 3-4 mm lang und schlank. Die mit langen Flügelfransen versehenen Vorderflügel sind weiß mit bräunlichen Schattierungen. An deren Hinterende befindet sich ein dunkelbrauner Fleck. Überwinternde Falter sind graubraun.
Die grünlich durchscheinenden, 7-8 mm langen Raupen haben einen braunen Kopf.
Die Puppe ist blassgrün bis gelbbraun und erreicht eine Länge von 3-4 mm.

Lebensweise (Lebenszyklus als ppt-Datei)
Die Falter überwintern unter der Rinde oder im Laubstreu. Zur Apfelblüte legen sie ihre Eier einzeln von unten ins Blattgewebe. Die geschlüpften Räupchen bohren sich sogleich ins Blattinnere und formen dabei die Gangminen. In weniger als einem Monat sind die Raupen ausgewachsen und verlassen die Mine. Zur Verpuppung spinnen sie sich winzige, schneeweiße, an Blättern aufgehängte Kokons („Puppenwiege“). Zwei Wochen später schlüpfen die Falter. Sie legen ihre Eier im Juni/ Juli an die Apfel- und Kirschblätter. Eine, wenn auch schwächere 3. Generation ist im September und Oktober möglich.

Schaden
Befallene Blätter zeigen blassgefärbte, geschlängelte Gangminen zwischen der Ober- und Unterseite des Blattes. Die Mine beginnt meist in der Nähe der Mittelrippe. Anfangs ist sie sehr schmal, zum Ende hin erweitert sie sich etwas. In der Mitte des Ganges scheint die dunkle Kotlinie durch.

Kontrolle
Bei der visuellen Kontrolle auf andere Schädlinge sollte die Eiablage und der Blattbefall durch die Miniermotten mitbeobachtet werden. Die Schadschwelle liegt bei 50-60% befallener Blätter in der Nachblüte und im Sommer. Im Herbst können die Blätter auf parasitierte Raupen hin untersucht werden. Liegt der Parasitierungsgrad über 70-80% wird mit großer Wahrscheinlichkeit eine Bekämpfung im kommenden Jahr überflüssig. Pheromonfallen zur Kontrolle des Falterflugs sind im Handel erhältlich.

Vorbeugende Maßnahmen und Bekämpfung
Intensive und regelmäßige Insektizidspritzungen schalten die natürlichen Feinde der Miniermotten nahezu aus. Es sind vor allem die parasitär lebenden Schlupf-, Erz- und Brackwespen, welche das Schädlingsaufkommen auf einem langfristig wirtschaftlich tragbaren Niveau halten können. Bei der Mittelwahl sollten deshalb nützlingsschonende Präparate den Vorzug finden. Nützlingsfördernde Maßnahmen, (Blütenpflanzen, Rückzugsgebiete,...) sind zudem hilfreich.
Wird die Schadensschwelle überschritten, ist eine Bekämpfung jedoch unumgänglich. Sie richtet sich größtenteils gegen die Eier und die jungen Minen der stärkeren zweiten Generation. Häufig fällt sie mit der Apfelwicklerbekämpfung zusammen.


2. Die Fleckenminiermotte oder Pfennigminiermotte
(Leucoptera malifoliella)

Wirtspflanzen der Flecken- oder Pfennigminiermotte sind Apfel, Birne, Weißdorn und verschiedene andere Laubgehölze. Die Raupen verursachen pfenniggroße „Minen“ auf den Blättern, daher die Namensgebung.

Schädlingsbeschreibung
Der Falter misst 3 mm. Die Vorderflügel sind blaugrau mit einer orange-, schwarz- und weißfarbigen Zeichnung im hinteren Teil.
Die blassgrünen Raupen sind 4-7 mm lang. Ihr etwas plump wirkender Körper läuft nach hinten konisch zu. Die flachen Eier sind bräunlich und haben einen Durchmesser von 0,3 mm.

Schaden
Auf den Blättern entstehen infolge des Raupenfraßes fast kreisrunde, 1 cm große Blattminen. Anfangs sind diese braun, später verfärben sie sich schwarz. In den Minen verläuft ein dunkler Spiralgang aus Kotablagerungen. Pro Blatt sind meist mehrere Minen zu finden, ein starker Blattschaden ist die Folge.

Lebensweise (Lebenszyklus als ppt-Datei)
Die Puppe überwintert in einem schneeweißen, rautenförmigen Kokon hinter der Rinde. Im Frühjahr schlüpfen die Falter. Sie fliegen zur Blüte. Die Eiablage erfolgt einzeln an die Unterseite der Blätter, in seltenen Fällen werden auch mehrere Eier pro Blatt abgelegt. Nach dem Schlupf bohren sich die jungen Räupchen direkt in das Blattgewebe. Dort legen sie spiralförmige Gänge an. Ausgewachsen verlassen die Raupen die Mine und spinnen sich zur Verpuppung in einem Gespinst ein. Bald darauf fliegen die Falter der zweiten Generation. Deren Raupen spinnen sich in ein Kokon hinter der Rinde oder im Bodenstreu in dem sie sich verpuppen und überwintern.


3. Die Apfelblattminiermotte (Stigmella malella)

Die Apfelminiermotte tritt nur an Apfel auf.

Schädlingsbeschreibung
Die 2 mm großen Falter sind kupferfarben mit einem weißlichen Querband auf dem hinteren Teil des Flügels. Auffallen sind die goldgelben Haarbüschel.
Die blassgelben Raupen sind 4 mm lang und haben einen braunen Kopf.
Die Eier sind an der Blattunterseite zu finden. Sie sind 0,4 mm groß und glasig.

Schaden
Die Anfangsminen sind winzig klein und nur bei durchfallendem Licht mit der Lupe zu erkennen. Ältere Miniergänge erkennt man gut. Sie sind relativ breit mit mehreren Windungen und mit 1-2 cm etwas kürzer als die der Schlangenminiermotten. Der Kot ist als dunkle Linie sichtbar. Die Blätter zeigen häufig mehrere Minen, eine Blattverformung wie bei den Faltenminiermotten tritt nicht ein.
Bei Übervermehrung werden die Bäume völlig entlaubt mit folgend verminderten Ertrags- und Fruchtqualitäten.

Lebensweise
Die Puppe überwintert in einem Kokon im Boden. Im Frühjahr schlüpfen die Falter, welche ihre Eier im Mai auf die Unterseite junger Apfelblätter, vorwiegend in der Nähe der Mittelrippe, ablegen. Im Juni und Juli sind die ersten Minen und Larven zu beobachten. Die Falter der zweiten Generation fliegen im August. Deren Räupchen sind im September und Oktober in den Blättern zu finden. Die Verpuppung erfolgt im Boden in einem Kokon.

Kontrolle, vorbeugende Maßnahmen und Bekämpfung sind ähnlich derer der anderen Miniermottenarten.


4. Die Faltenminiermotte oder Apfelblattfaltenmotte

(Phyllonorycter, Syn. Lithocolletis blancardella)

Die Faltenminiermotte tritt nur an Apfel und dessen Zierformen auf. Sie ist ein Schädling wärmerer Regionen.

Schädlingsbeschreibung
Die schlanken Falter sind 3-4 mm groß. Ihre ansonst kupferbraunen Vorderflügel sind mit silberweißen Binden mit dunkler Umrandung durchsetzt.
Die Raupen sind gelb-weiß glänzend mit braunem Kopf. Sie werden 4-5 mm lang.
Die 0,2 mm großen, linsenförmigen und glasigen Eier werden blattunterseits neben der Hauptader abgelegt.

Schaden
Die 1-2 cm langen Minen sind oval. Auf der Blattunterseite erkennt man einen hellen Fleck mit einer Längsfalte. Von oben erscheinen die Befallsstellen mosaikartig grün-hell getüpfelt. Starke Schädigungen zeigen sich an Blattvergilbungen und vorzeitigem Blattfall.

Lebensweise (Lebenszyklus als ppt-Datei)
Die Faltenminiermotte überwintert im Puppenstadium im abgefallenen Blatt. Im Frühjahr schlüpfen die Falter. Diese legen die Eier an die Unterseite der Blätter. Nach dem Schlupf bohren sich die Räupchen in die Blätter und fressen in einer ovalen, taschenartigen Mine. Die anschließende Verpuppung erfolgt in der Mine. Es folgen noch zwei weitere Generationen, die sich überschneiden. Im Herbst findet man deswegen meist alle Entwicklungsstadien nebeneinander vor.

Kontrolle, natürliche Gegenspieler und Bekämpfung siehe Schlangenminiermotte.