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Kleiner Frostspanner

Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
Familie: Spanner (Geometridae)
Deutscher Name: Kleiner Frostspanner
Wissenschaftlicher Name: Operophtera, Syn. Cheimatobia brumata

 

Der Kleine Frostspanner ist ein weit verbreiteter Schädling im Obstanbau. Neben Apfel und Birne befällt er Kirsche, Pflaume, Beerensträucher und Laubgehölze. An Streuobstwiesen und Laubwälder angrenzende Obstanlagen sind besonders befallsgefährdet, da von ihnen oft eine Neubesiedlung ausgeht.
Die Raupen verursachen durch ihren Fraß an Knospen, Blüten, Blättern und jungen Früchten zum Teil erhebliche Schäden. Beim Kriechen formen sie einen, für Spannerraupen typischen „Buckel“. Die Falter sind „Schlecht-Wetter-Flieger“. Sie fliegen in der kalten Jahreszeit ab der ersten Frostnacht, meist Mitte/ Ende Oktober bis Mitte Dezember.


Beschreibung
Im Aussehen unterscheiden sich Männchen und Weibchen deutlich voneinander.
Die Weibchen sind graubraun gesprenkelt und 5-7 mm groß. Auffallend sind ihre langen, „spinnenähnlichen“ Beine. Die Flügel sind zu Stummeln umgebildet, sie können daher nicht fliegen.
Die etwa 15 mm langen Männchen sind flugfähig. Die Flügel sind graubraun gefärbt und mit dunklen welligen Querlinien versehen. In Ruhe sind diese deltaförmig ausgebreitet. Mit einer Flügelspannweite von 22-28 mm zählt der Frostspanner mit zu den größten Faltern im heimischen Obstanbau.
Die überwinternden Eier sind tonnenförmig und etwa 0,8 mm groß. Zuerst sind sie blass gelblich-grün, nach der Befruchtung verfärben sie sich orangerot. Farbe und Oberfläche erinnern an Orangenschalen. Sie werden einzeln oder in kleinen Gruppen von 2-3 Eiern abgelegt.
Die Raupen sind hellgrün mit dunkler Rückenlinie und seitlich je einer helleren Längslinie. Sie erreichen eine Länge von 20-25 mm. Ihr Kopf ist grün bis gelblich. Sie besitzen, wie alle Spannerraupen, nur ein Paar Bauchfüße und ein Paar Nachschieber.

Lebensweise (Lebenszyklus als ppt-Datei)
Der Falterflug der Männchen kann von Mitte Oktober bis Mitte Dezember beobachtet werden. Die spinnenähnlichen und flugunfähigen Weibchen kriechen am Baumstamm hoch. Nach erfolgter Befruchtung legen sie, bevorzugt im oberen Kronenbereich bis zu 300 Eier einzeln oder in kleine Gruppen in Rindenritzen, unter Knospenschuppen und in Wunden ab. Ab grünem Knospenstadium bis Beginn Blüte schlüpfen die Raupen. Diese ernähren sich anfangs von den sich entwickelnden Knospen und Blüten. Die kleinen Räupchen spinnen dünne Fäden, mit Hilfe derer sie sich auf tieferliegende Knospen abseilen können oder mit dem Wind über weite Strecken verteilt werden. Bis zu ihrer vollständigen Entwicklung fressen die Raupen an Blättern und jungen Früchten. Mitte Juni seilen sie sich zum Boden ab und verpuppen sich dort in 6-25 cm Tiefe in einem lockeren Kokon. Im Spätherbst schlüpfen die Falter.

Schadbild
Ab Austrieb sind angefressene Blüten- und Blattknospen häufig in Verbindung mit Kotspuren zu finden. In manchen Fällen spinnen die Raupen Blätter und Blütenknospen zusammen in deren Schutz sie weiterfressen. Gespinste sind ansonsten eher selten. Größere Raupen fressen Blätter zum Teil bis zur Mittelrippe kahl. Befallene Früchte fallen vorzeitig ab oder werden stark missgebildet. Oberflächiger Fraß zeigt sich bei der Ernte an runden bis ovalen, verkorkten Flecken. Manchmal bilden sich trichterförmige, bis ins Kernhaus gehende Vertiefungen aus. Ähnliche Symptome werden von Eulen- und anderen Spannerraupen verursacht.

Kontrolle
Die Astprobenkontrolle auf überwinternde Eier gibt erste Hinweise auf den zu erwartenden Befall im Frühjahr. Aussagekräftiger ist die visuelle Kontrolle ab Austrieb bis Ende Mai hinsichtlich Fraßspuren und Raupen. Die Schadensschwelle liegt bei 5-8 Raupen je 100 Blütenbüschel.
Die Flugaktivität der Männchen kann mit Pheromonfallen überwacht werden. Das Aufkommen weiblicher Tiere kann zur gleichen Zeit mittels Leimringen festgestellt werden. Pheromonfallen und Leimringe hierfür Anfang Oktober anbringen.

Bekämpfung
Die Bekämpfungstermine liegen meist kurz vor der Blüte. Es sind verschiedene Mittel bewilligt, die meisten unter ihnen haben eine Fraßwirkung. Der Effekt auf Jungraupen im 1. und 2. Larvenstadium ist dabei am besten. Die Ausbringung sollte während einer Schönwetterperiode bei Temperaturen von über 15°C erfolgen. Dann sind die Raupen über mehrere Tage aktiv und nehmen viel Wirkstoff auf. Bei kühlem Wetter und verzögertem Raupenschlupf mit der Behandlung lieber zuwarten, da sonst Minderwirkungen eintreten.

Alternativen/ natürliche Gegenspieler
Frostspannerraupen dienen Singvögeln als Beutetiere zum Verfüttern an ihre Brut. Zu deren Förderung sollten Nistkästen in den Anlagen aufgehängt werden.
Schlupfwespen, Raupenfliegen und Brachfliegen parasitieren die Raupen. In intensiv behandelten Obstanlagen sind deren Populationen jedoch meist klein und daher für eine Regulierung nicht genügend wirksam.
Zum Abfangen der Weibchen werden Anfang Oktober Leimringe dicht um die Stämme gelegt. Sie werden so am Hochkriechen des Stammes und folglich an der Eiablage in der Baumkorne gehindert. Dieses Verfahren wird meist im Streuobstbau angewendet.


Eine weitere, den Apfel schädigende Spannerart ist der Große Frostspanner (Erannis defoliaria). Seine Raupen verursachen zum Teil erhebliche Blattschäden an Obst- und Waldbäumen. Beerensträucher werden zudem befallen.
Die Lebensweise ähnelt der des Kleinen, er fliegt lediglich etwas früher im Herbst. Die Raupe ist rotbraun mit gelben oder beigefarbenen Flecken an der Seite der hinteren Segmente. Sie erreicht eine Länge von bis zu 3,5 cm.
Schadsymptome und Bekämpfungsmöglichkeiten sind gleich wie beim Kleinen Frostspanner.