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Apfelwickler

Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
Familie: Wickler (Torticidae)
Deutscher Name: Apfelwickler
Wissenschaftlicher Name: Cydia (Laspeyresia) pomonella
 

Der Apfelwickler ist ein weltweit verbreiteter, der abhängig von der geografischen Breite eine bis zwei Generationen durchläuft. Am Bodensee gibt es regelmäßig eine partielle 2. Generation. Er tritt gehäuft an Apfel und Birne, gelegentlich auch an Walnuss und Pfirsich auf.
Die zunehmend früher beginnende Vegetation, sowie immer wärmere Sommer mit hohen Abendtemperaturen begünstigen die Bedingungen für den Apfelwickler. Flugbeginn und erste Eiablage haben sich terminlich nach vorne verschoben. Die Befallsgefahr erstreckt sich von Anfang Mai bis Anfang September. Im Erwerbsanbau ist eine Kombination aus chemischen, biologischen und biotechnischen Bekämpfungsmaßnahmen erforderlich.

Schädlingsbeschreibung

Der Falter ist in Ruhestellung etwa 10 mm lang. Die Vorderflügel (Deckflügel) sind grau gefärbt mit dunklen, welligen Querlinien. Am Außenrand befindet sich ein charakteristischer kupferbrauner Fleck. Die Hinterflügel sind graubraun und etwas glänzend. Die Flügel erreichen eine Spannweite von bis zu 20 mm. Im Aussehen unterscheiden sich Weibchen und Männchen kaum voneinander. Die Eier sind weißlich, uhrglasähnlich, oval und haben eine Größe von 1,3 x 1,0 mm. Sie werden einzeln zu Beginn des Falterfluges vorzugsweise auf die Rosettenblatter der Fruchtbüschel abgelegt, später direkt auf die Frucht, Kontrollen auf Eiablagen sind bei bedecktem Himmel erfolgreicher als bei Sonnenschein. Sorten mit bedufteten Früchten sind besonders gut für Kontrollen geeignet. Die Raupen ändern während ihrer Entwicklung ihr Aussehen. Jungraupen sind weißlich und 2 mm lang. Ausgewachsene Raupen sind rosa mit dunklen Warzen, Kopf- und Nackenschild sind dunkelbraun, ein Analkamm fehlt. Sie erreichen eine Größe von bis zu 2 cm. Die Puppe ist braun und 8-10 mm lang.

Der Schädling überwintert als ausgewachsene Raupe (L5) in einem festen weißlichen Kokon hinter Rindenritzen. Im Frühjahr verpuppen sich die Raupen. Von Anfang Mai bis Juli/ August schlüpfen, in Abhängigkeit von der Temperatur, die Falter der 1. Generation. Tagsüber sitzen die Falter ruhig in der Baumkrone. Sie werden abends zur Zeit der Dämmerung aktiv wenn die Temperaturen über 15°C liegen („Abendwerte“). Während dieser Zeit erfolgt die Eiablage. Bei kühler (<15°C) und nasser Witterung wird die Eiablage unterbrochen. Die Eier werden einzeln auf glatte Flächen in die Nähe der Früchte abgelegt. Jedes Weibchen legt bis über 100 Eier. Die Räupchen schlüpfen, abhängig von der Temperatur, nach 8-14 Tagen. Nach kurzem Umherwandern dringen sie in die Früchte ein. Innerhalb 3-4 Wochen sind die Raupen nach 5 Entwicklungsstadien ausgewachsen und verlassen die Frucht.
Ein Teil der Raupen geht sofort in Winterruhe. Sie spinnen sich an geschützten Stellen an der Stammbasis oder im Bodenstreu in einem Kokon ein.
Je nach Temperatur und Tageslänge verpuppt sich ein mehr oder weniger großer Anteil der Raupen noch im selben Jahr. Sie ergeben frühestens ab Mitte Juli die Falter der 2. Generation. Diese legen frühestens ab Anfang August ihre Eier ab. Die sich daraus entwickelnden Raupen verursachen die gefährliche Spätvermadung im September.
Der Übergang zwischen den Flügen der ersten und zweiten Generation ist in manchen Jahren durch ein Absinken der Fangzahlen Mitte bis Ende Juli gekennzeichnet, häufig ist eine Trennung nicht möglich.

Schadbild

Nach dem Einbohren in den Apfel legt die Raupe zuerst einen feinen Spiralgang direkt unter der Fruchthaut an, dann dringt sie ins Fruchtinnere bis zum Kernhaus. Ein Befall ist auch durch den Blütenkelch möglich. Später findet man das Einbohrloch an der Seite oder in der Nähe des Fruchtstiels.
Die Raupe frisst einen großen Teil des Fruchtfleisches und nagt Kernhaus und Kerne an. Dies ist ein typisches Merkmal für Apfelwicklerraupen. Die entstehenden Hohlräume sind mit feuchtem, braunem Kot gefüllt. Das Einbohrloch ist mit trockenem Kot verstopft, erntereife Früchte zeigen häufig Kotauswurf.
Bei spätem Befall bildet sich oft ein charakteristischer roter Rand um die Einbohrstelle. Die Raupe verlässt den Apfel durch eine Ausgangsöffnung, die sich häufig auf der gegenüberliegenden Seite des Einbohrlochs befindet.
Abgestoppte Schäden infolge larvizider Mittel erkennt man an 2-3 mm großen, braunen und verkorkten Stellen; die Spuren des direkt unter der Schale verlaufenden und mit Kot gefüllten Spiralgangs sind noch zu erkennen.

Verwechslungsmöglichkeiten

Verwechslungsmöglichkeiten bestehen mit der Apfelsägewespe. Diese schädigt die Frucht jedoch nur bis maximal Walnussgröße, an der Frucht läuft brauner Kot herab, oder ist direkt angetrocknet, befallene Früchte fallen ab.
Im Sommer bestehen Verwechslungsmöglichkeiten bei Schäden durch den Kleinen Fruchtwickler. Dieser miniert jedoch häufig in auffälliger Weise um das Einbohrloch herum, weiter sind meist zwei Löcher in der Fruchtoberhaut, die mit einem im Verhältnis zur Einbohrspirale des Apfelwicklers, durch einen großen bogenförmigen Gang verbunden sind.

Kontrolle

Mittels Pheromonfallen kann der Flugverlauf überwacht und das Auftreten der 2. Generation im Spätsommer rechtzeitig erkannt werden. Der Befallsdruck lässt sich anhand der Höhe der Falterfänge, besser noch am Vorjahresbefall abschätzen. Liegen zur Ernte mehr als 1-2 % befallene Früchte (inklusive Fallobst) vor, so ist dem Apfelwickler im Folgejahr besondere Aufmerksamkeit zu geben. Flächen mit der Pheromon-Verwirrungstechnik kommen ohne Zubehandlungen nicht aus. Nicht verwirrte Flächen bedürfen einer engen Spritzfolge mit chemischen und biologischen Präparaten.
Mit Temperatursummen lassen sich insbesondere der Flugbeginn, Datum der 1. Eiablage, der 1. Schlupf, sowie Schlupfperioden nach starken Eiablageperioden terminieren - eine gleichzeitige visuelle Kontrolle sichert diese Werte ab.

Bekämpfung

Zur Zeit sind zur Apfelwicklerbekämpfung verschiedene chemische Mittel zugelassen. Dabei ist eine relativ enge und gut terminierte Bekämpfung erforderlich. Zusätzliche Behandlungen mit Granulosevirus-Präparaten sichern die chemischen Maßnahmen ab. Ein Schwerpunkt des Granulosevirus-Einsatzes liegt auf der 1. Generation.
Auf ca. 1500 ha im Bodenseegebiet kommt die Pheromonverwirrung als biotechnisches Verfahren zum Einsatz. Dieses Verfahren sollte überall dort angewendet werden, wo größere, geschlossene Anlagen zur Verfügung stehen. Aufgrund der beschriebenen Situation bei den chem. Pflanzenschutzmitteln ist in einigen Fällen aber auch in weniger geeigneten Flächen die Verwirrung sinnvoll, Untersuchungen belegen die bessere Regulierung des Apfelwicklers verglichen mit alleiniger chem. Bekämpfung auch in diesen Flächen.
Die Dispenser müssen hierfür vor Flugbeginn, Anfang Mai aufgehängt werden. Pheromonfallen ergänzen regelmäßig durchzuführende, visuelle Kontrollen.


Alternative Methoden zur Regulierung

Eine natürliche Möglichkeit zur Eindämmung des Befalls ist die Förderung von Nützlingen. Ohrwürmer fressen gerne die Eier der Obstmade, überwinternde Raupen am Stamm werden von vielen Vögeln (Meisen, Spechte,...) als Nahrungsquelle genutzt. Schlupfwespen und Raupenfliegen parasitieren Larven und Puppen des Apfelwicklers, für die Regulierung sind sie jedoch von untergeordneter Bedeutung.
Abgebrochene Pfähle, lose Borke und andere Versteckmöglichkeiten, die den Raupen als Überwinterungsquartier dienen können, sollten möglichst aus der Anlage entfernt werden.
In Streuobstbeständen können überwinternde Raupen auch mittels eines Wellpappegürtels (10 cm breit) abgefangen werden. Dieser wird Ende Juni am Fuß des Baumstammes angebracht, Ende Juli abgenommen und verbrannt, und durch neue ersetzt, die dann nach der Ernte vernichtet werden.