Über Uns Aktuelles Arbeitsbereiche Projekte Service

Apfelschalenwickler

Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
Familie: Wickler (Torticidae)
Deutscher Name: Apfelschalenwickler
Wissenschaftlicher Name: Adoxophyes orana, Syn. reticulana

Der Apfelschalenwickler ist in ganz Europa verbreitet. Er ernährt sich von verschiedensten Gehölzen, darunter auch einigen Obstarten wie Apfel, Birne, Kirsche und Pflaume. Er ist von sehr großer wirtschaftlicher Bedeutung.

Schädlingsbeschreibung
Der Falter ist 1cm lang. Männchen und Weibchen sehen unterschiedlich aus. Das Weibchen hat eine Flügelspannweite von 18-22 mm. Die Vorderflügel sind graubraun und leicht netzartig gezeichnet. Die männlichen Falter sind etwas kleiner und haben ockerbraune Flügel mit dunkelbrauner Zeichnung.
Die Eier sind anfangs hellgelb, verfärben sich später grün. Sie sind flach, oval und werden in Gelegen (Eispiegel) von bis zu 150 Eier abgelegt.
Die Raupen erreichen eine Länge von 18 bis 22 mm. Sie sind gelbgrün bis dunkelgrün mit kleinen gelblichen Warzen. Bei Jungraupen ist der Kopf dunkel, bei ausgewachsenen Raupen honiggelb.
Die Puppe ist etwa 1 cm lang und dunkelbraun.

Biologie (Lebenszyklus als ppt-Datei)
Der Apfelschalenwickler hat zwei Generationen pro Jahr. Die Falter der ersten Generation fliegen ab Ende Mai über einen Zeitraum von drei Wochen. Die Eier werden in Gelegen auf der Oberseite älterer Blätter abgelegt. Die Raupen der Sommergeneration schlüpfen etwa 10 Tage nach der Eiablage. Sie fressen an wachsenden Jungtrieben und spinnen die jungen Blätter zusammen. Häufig wird ein Blatt an eine wachsende Frucht gesponnen, der Fraß findet dann beidseitig statt. Ältere Raupen verursachen Flächenfraß an den Früchten. Die Verpuppung erfolgt normalerweise im Juli nach 5 Larvenstadien. Nach einer Puppenzeit von 10 bis 15 Tagen fliegen die Falter der 2. Generation ab Mitte Juli bis Ende August. Die Eier werden an Blättern und Früchten abgelegt. Die Raupen der Herbstgeneration fressen noch einige Wochen (Naschfraß) bevor sie im 2. oder 3. Larvenstadium ins Winterquartier gehen. Die Überwinterung erfolgt in Gespinsten am Stamm oder an dicken Ästen. Kurz nach dem Austrieb verlassen die jungen Raupen ihr Winterquartier und fressen an den sich entwickelnden Knospen, später an den Blütenbüscheln und den Blättern der Jungtriebe. Die Verpuppung erfolgt zum Zeitraum des Abblühens zwischen versponnenen Blättern.
Der Flug der 1. und 2. Generation sind zeitlich voneinander getrennt.

Schadbild
Überwinterte Räupchen (L2/L3) verursachen im Frühjahr Fraßstellen an Knospen und jungen Blättern.
Junge Raupen der Sommergeneration schädigen die Triebspitzen. Der Befall zeigt sich Ende Juni an zusammengesponnenen Blättern mit zum Teil Fensterfraß.
Ältere Raupen der Sommergeneration fressen die Schale und das darunter liegende Fruchtfleisch (Flächenfraß). Es bilden sich flache, unregelmäßige Mulden aus, die verkorken, aber nicht mehr vernarben. Häufig kommt es zu Fäulnis.
Die Raupen der Herbstgeneration verursachen den wirtschaftlich gesehen bedeutendsten Schaden. Sie „naschen“ im Schutze eines angesponnenen Blattes an erntereifen Früchten (Naschfraß) und hinterlassen ein- oder mehrere nadelstichartige Fraßpunkte. Diese Stellen verkorken nicht und faulen daher rasch.
Beide Generationen verursachen lediglich oberflächigen Fraß. Eine Fruchtverformung tritt nicht ein, da die Beschädigung erst spät erfolgt.

Verwechslungsmöglichkeiten
Eine Vielzahl weiterer, unspezifischer Wickler verursacht ähnliche Schäden wie der Fruchtschalenwickler. So sind regelmäßig der Große Obstbaumwickler (Archips podanus), der Leberfarbene Schalenwickler (Pandemis heparana), der Gelbbauchwickler (Ptycholoma lecheana) und die Knospenwickler Spilonota ocellana und Hedya nubiferana und weitere Wicklerarten (z. B. Heckenwickler), sowie der zu den Palpenmotten gehörende Recurvaria leucatelle zu beobachten. Im Gegensatz zum Fruchtschalenwickler bringen diese Tiere nur eine Generation hervor, erreichen also nicht das Schädigungspotential des Fruchtschalenwicklers.

Kontrolle
Erste Anhaltspunkte für den Ausgangsbefall liefern Astprobenkontrollen auf überwinternde Larven während der Winterruhe.
Mit Pheromonfallen kann ab Ende Mai der Flugverlauf der Falter überwacht werden.
Eine visuelle Kontrolle der Blütenbüschel (Vorblüte) und der befallenen Triebspitzen (Juli) gibt zudem Rückschlüsse auf den Befallsdruck und das Artenspektrum in der Anlage.
Eine wichtige Orientierungshilfe für den Schädlingsdruck im kommenden Jahr ist der Fruchtschaden zur Ernte.

Schadschwellenwerte
Im zeitigen Frühjahr (Vorblüte) werden die Blütenbüschel auf Befall bonitiert. Die Schadschwelle liegt bei 0,5-1 gefundener Raupe je 100 Blütenbüschel.
Der Triebspitzenbefall der Langtriebe wird im Juli überprüft. Er gibt Rückschlüsse auf den Befallsdruck der Herbstgeneration. Die Schadschwelle liegt hier bei 5% befallener Triebspitzen.
Sind bei der Ernte über 1% der Früchte frisch befallen (Naschfraß, 2. Gen.) ist eine Bekämpfung im folgenden Frühjahr unverzichtbar.

Bekämpfung
Im Erwerbsanbau werden Insektenwachstumsregulatoren und spezifisch wirkende Granuloseviruspräparate eingesetzt. Die Verwirrungsmethode ist beim Apfelschalenwickler nicht zu empfehlen.

Alternativen zur Bekämpfung
Als natürliche Gegenspieler gelten einige Schlupfwespenarten und Raupenfliegen. Diese parasitieren die Larven des Apfelschalenwicklers und tragen zu einer Befallsreduktion bei. Die Raupen dienen schon ab dem zeitigen Frühjahr vielen Vogelarten als Nahrungsquelle.
Es sollten pro ha mindestens 5 Nisthilfen für höhlenbrütende Singvögel angeboten werden.